Ein Tompouce ist eine niederländische Blätterteigschnitte mit einer hohen Schicht Vanillecreme und einer auffälligen rosa Zuckerglasur. In den Niederlanden gehört das rechteckige Gebäck fest zu Bäckereien, Supermärkten und Geburtstagen. Rund um den Koningsdag wird die Glasur orange. Geschmacklich treffen süße, weiche Creme und fester Blätterteig aufeinander – eine Kombination, die köstlich aussieht und beim Essen erstaunlich schnell ihre ordentliche Form verlieren kann.
Was ist ein Tompouce?
Ein Tompouce besteht aus zwei rechteckigen Blätterteigplatten, zwischen denen sich eine dicke Schicht Konditorcreme befindet. Die obere Platte wird traditionell mit glatter rosa Glasur überzogen.
Die Creme heißt auf Niederländisch häufig „banketbakkersroom“ oder verkürzt „bakkersroom“. Sie erinnert an festen Vanillepudding, ist aber meist standfester, damit sie den Blätterteigdeckel tragen kann. Je nach Bäcker oder Hersteller fällt die Füllung etwas leichter, sahniger oder kompakter aus.
Der klassische Aufbau ist leicht zu erkennen:
- Eine dünne untere Blätterteigplatte
- Eine hohe Schicht Vanille- oder Konditorcreme
- Eine zweite Blätterteigplatte
- Eine glatte rosa Zuckerglasur
Trotz seines französisch klingenden Namens gilt der Tompouce heute als ausgesprochen niederländisches Gebäck. Er wird zum Kaffee, bei Geburtstagen und als süße holländische Zwischenmahlzeit gegessen.
Wie schmeckt ein Tompouce?
Ein Tompouce schmeckt deutlich süß, vanillig und leicht buttrig. Die Creme ist weich und glatt, während die Blätterteigplatten trocken, blättrig und etwas brüchig sein sollen.
Die Glasur bringt den größten Teil der Süße mit. Sie bildet eine feste, glatte Schicht, die beim Hineinbeißen leicht brechen kann. Der Blätterteig selbst schmeckt vergleichsweise mild und verhindert dadurch, dass Creme und Glasur vollkommen überwältigend werden.
Besonders bei frischem Tompouce entsteht ein deutlicher Kontrast zwischen den einzelnen Schichten:
- Fester und leicht splitternder Blätterteig
- Weiche und kühle Vanillecreme
- Glatte und sehr süße Glasur
Mit längerer Lagerung zieht Feuchtigkeit aus der Creme in den Blätterteig. Das Gebäck lässt sich dann zwar etwas leichter schneiden, verliert aber einen Teil seiner typischen Struktur.
Ungesüßter Kaffee oder Tee passt deshalb besonders gut dazu. Der Tompouce benötigt wirklich keinen zusätzlichen Zucker neben sich. Er hat vorsorglich selbst genug davon mitgebracht.
Tompouce oder Tompoes: Welche Schreibweise ist richtig?
Tompouce und Tompoes bezeichnen dasselbe Gebäck. Beide Schreibweisen kommen im Niederländischen vor.
„Tompouce“ ist die ältere, französisch wirkende Schreibweise. „Tompoes“ entspricht stärker der niederländischen Lautung und wird ebenfalls häufig verwendet. Auch der Plural unterscheidet sich entsprechend: Mehrere Gebäckstücke heißen „tompoucen“ oder „tompoezen“.
Im Deutschen wird meist die Schreibweise Tompouce übernommen. Eine einheitliche deutsche Übersetzung gibt es nicht. Beschreibungen wie „holländische Cremeschnitte“ oder „niederländische Blätterteigschnitte“ kommen dem Gebäck recht nahe, erfassen aber nicht vollständig seine charakteristische Form und Glasur.
Wie spricht man Tompouce aus?
Tompouce wird ungefähr wie „tomm-PUUS“ ausgesprochen. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe.
Das Wort klingt damit anders, als die französisch anmutende Schreibweise zunächst vermuten lässt. Vor allem das Ende wird lang gesprochen. Die Schreibweise „Tompoes“ macht die niederländische Aussprache für deutsche Leser etwas besser erkennbar.
Ganz exakt lässt sich die Lautung mit deutscher Schreibweise nur schwer wiedergeben. Mit „tomm-PUUS“ kommt man im niederländischen Café aber deutlich weiter als mit einem zaghaft ausgesprochenen „Tomm-Pause“.
Woher kommt der Name Tompouce?
Der Name Tompouce wird auf den französischen Ausdruck „Tom Pouce“ zurückgeführt, der wörtlich „Tom Daumen“ bedeutet. Er steht in Verbindung mit Tom Thumb, einer sagenhaften Figur, die nur so groß wie ein Daumen sein soll.
Im 19. Jahrhundert verwendeten auch kleinwüchsige Bühnenkünstler Namen wie Tom Thumb oder Tom Pouce. Häufig wird erzählt, ein niederländischer Konditor habe das Gebäck nach einem solchen Künstler benannt. Die genauen Einzelheiten dieser Entstehungsgeschichte werden jedoch unterschiedlich überliefert und lassen sich nicht vollständig belegen.
Sicher ist vor allem die sprachliche Verbindung zu etwas besonders Kleinem. Warum ausgerechnet eine Schnitte mit einer stattlichen Cremeschicht diesen Namen bekam, bleibt eine der charmanten Ungereimtheiten niederländischer Gebäckgeschichte.
Tompouce, Cremeschnitte und Mille-feuille: Was ist der Unterschied?
Ein Tompouce unterscheidet sich von einer gewöhnlichen Cremeschnitte vor allem durch seinen festen Aufbau und die farbige Glasur. Er besitzt normalerweise zwei Blätterteigplatten und eine einzelne, besonders hohe Cremeschicht.
Der französische Mille-feuille besteht dagegen meist aus drei Blätterteiglagen und zwei dazwischenliegenden Cremeschichten. Seine Oberseite wird häufig mit Puderzucker oder einer hellen Glasur mit dunklem Muster verziert.
Der Begriff Cremeschnitte ist weniger genau festgelegt. Darunter können unterschiedliche Gebäcke mit Pudding-, Sahne- oder Vanillecreme verstanden werden. Auch die Zahl der Teigschichten und die Gestaltung der Oberseite variieren.
Typisch für den Tompouce sind dagegen:
- Die rechteckige und vergleichsweise hohe Form
- Zwei dünne Blätterteigplatten
- Eine dicke Vanillecremeschicht
- Rosa oder orange Glasur auf dem Deckel
Ein Tompouce ist damit mit der Cremeschnitte und dem Mille-feuille verwandt, besitzt aber ein eigenes, in den Niederlanden sofort erkennbares Erscheinungsbild.
Warum ist ein Tompouce am Koningsdag orange?
Zum niederländischen Koningsdag wird die sonst rosa Glasur vieler Tompoucen orange gefärbt. Orange ist die Farbe des niederländischen Königshauses Oranien-Nassau und prägt deshalb den gesamten Feiertag.
Rund um den Koningsdag erscheinen Kleidung, Straßen, Dekorationen und Kuchentheken in Orange. Der „oranje tompouce“ gehört für viele Niederländer genauso dazu wie Flohmärkte, Musik und Menschen, die an diesem Tag erstaunliche Mengen orangefarbener Kleidung aus ihren Schränken holen.
Geschmacklich unterscheidet sich die orange Variante normalerweise kaum vom klassischen rosa Tompouce. Meist wird lediglich die Farbe der Glasur verändert. Blätterteig und Vanillecreme bleiben gleich.
Außerhalb des Koningsdag können orange Tompoucen auch bei anderen Veranstaltungen mit Bezug zum Königshaus oder zur niederländischen Nationalfarbe auftauchen.
Wie isst man einen Tompouce?
Ein Tompouce lässt sich am einfachsten essen, wenn der feste Blätterteigdeckel nicht direkt mit der Gabel nach unten gedrückt wird. Dabei wird die Creme nämlich zuverlässig an beiden Seiten herausgepresst.
Beliebte Methoden sind:
- Den glasierten Deckel abheben und getrennt essen
- Das Gebäck vorsichtig auf die Seite legen
- Den Deckel zunächst in kleinere Stücke teilen
- Den gesamten Tompouce mit einem scharfen Messer portionieren
Beim seitlichen Essen bleiben Blätterteig, Creme und Glasur in jedem Bissen zusammen. Das Abheben des Deckels ist meist sauberer, verändert aber den ursprünglichen Aufbau.
Natürlich kann man auch einfach von oben hineinbeißen. Das ist weniger eine Essmethode als eine bewusste Entscheidung gegen Kontrolle.
Wie viele Kalorien hat ein Tompouce?
Der Kaloriengehalt eines Tompouce hängt von seiner Größe, der Menge der Creme und der verwendeten Rezeptur ab. Große Stücke mit besonders dicker Füllung oder zusätzlicher Sahne liefern entsprechend mehr Energie als Mini-Tompoucen.
Auch Blätterteig und Zuckerglasur tragen erheblich zum Kaloriengehalt bei. Durch die vielen luftigen Schichten kann das Gebäck leichter wirken, als es tatsächlich ist.
Für einen verlässlichen Wert sollten deshalb die Nährwertangaben des jeweiligen Produkts geprüft werden. Eine einzelne allgemeine Zahl würde die Unterschiede zwischen Bäckereien, Supermarktprodukten und selbst gemachten Varianten nur unzureichend abbilden.
Ist ein Tompouce vegetarisch oder vegan?
Ein Tompouce ist nicht automatisch vegetarisch oder vegan, da die verwendeten Zutaten je nach Hersteller variieren. Die Creme kann Milch, Ei oder Sahne enthalten. Manche industriellen Varianten verwenden außerdem Gelatine oder andere tierische Bestandteile.
Blätterteig kann mit Butter oder mit pflanzlichen Fetten hergestellt werden. Auch bei der Glasur und den verwendeten Farbstoffen sind Unterschiede möglich.
Für eine vegane Variante müssen alle drei Bestandteile angepasst sein:
- Blätterteig ohne Butter
- Creme ohne Milch und Ei
- Glasur ohne tierische Gelier- oder Farbstoffe
Menschen mit Allergien oder einer bestimmten Ernährungsweise sollten daher immer die konkrete Zutatenliste prüfen. Vom rosa Deckel allein lässt sich leider nicht erkennen, was darunter verarbeitet wurde.
Kann man Tompouce in Deutschland kaufen?
Frische Tompoucen sind in Deutschland deutlich schwieriger zu finden als in den Niederlanden. Gelegentlich werden sie von niederländischen Bäckereien, spezialisierten Holland-Geschäften oder Onlineshops angeboten.
Der Versand ist nicht unkompliziert. Die Creme muss gekühlt bleiben und der Blätterteig verliert durch Feuchtigkeit schnell seine feste Struktur. Deshalb werden teilweise auch Pakete zum Selbstzusammensetzen verkauft. Darin können bereits gebackene Blätterteigplatten sowie Mischungen für Creme und Glasur enthalten sein.
In den Niederlanden bekommt man Tompoucen wesentlich leichter bei Bäckern und in den gekühlten Kuchentheken vieler Supermärkte. Besonders groß ist die Auswahl rund um den Koningsdag.
